VON DER POP-PRINZESSIN ZUM ROCK CHICK
Die Pop-Ikone der 80er wagt ein Comeback mit dem neuen Album „Come Out And Play“. Gegenüber Queer.ch erzählte Kim Wilde, weshalb das neue Album so toll ist, warum Nena ihre Inspiration ist und wie das Schweizer Publikum der Sängerin neuen Mut gab.
Queer.ch: Kim Wilde, dein neues Album „Come Out And Play“ ist raus und jeder spricht von einem Comeback, wie stehst du dazu? Wirklich „weg“ warst du nie.
Kim Wilde: Um ehrlich zu sein, es fühlt sich schon wie ein Comeback an. Es ist interessant und wohl von Land zu Land verschieden. Beispielsweise in Deutschland war ich immer wieder in den Charts. Im letzten Jahr hatte ich auch einen Hit in Schweden, der Song kam aber nie über die Landesgrenze hinaus.
Deine Plattenfirma spricht vom neuen Album als dein bestes seit 20 Jahren…
„Come out and play“ ist für mich wirklich ein Album, welches sich nach einem „Ganzen“ anfühlt. Die Songs darauf gehören zusammen und dies macht mich sehr glücklich.
Die Musik erinnert an deine frühen Hits, war das Teil des Konzepts?
Das Album hat in der Tat mehr Leidenschaft und Haltung als meine letzten Alben. Ich bin sehr stolz darauf.
Und noch immer ist es ein Familienprojekt. Dein Bruder Rick Wilde fungierte wiederum als Produzent.
Ricky und ich waren schon immer musikalisch auf gleicher Augenhöhe. In letzter Zeit haben wir jedoch nicht mehr zusammen gearbeitet. Mein letztes Album wurde zudem von Nena‘s Produzenten Uwe Fahrenkrog-Petersen produziert. Es wurde Zeit, wieder etwas familiäres zu machen. Und es war aufregend, wieder mit meinem Bruder im Studio zu sein.
Stichwort Nena: in vielerlei Hinsicht ähneln eure Karrieren einander sehr. Besteht schon seit den 80ern eine Freundschaft?
Wir sind uns früher immer wieder in deutschen TV-Shows begegnet, später dann leider nicht mehr. Als ich dann von Nena angefragt wurde, den Song „Anyplace, Anywhere, Anytime“ neu zu performen, war das wie ein Aufeinandertreffen zweier alter Freunde. Nena ist eine echte „foxy Lady“, sie überwältigt mich jedesmal mit ihrem Selbstvertrauen und ist eine Inspiration für mich!
Eine andere Pop-Ikone hat deinen Weg in den 80ern gekreuzt: Michael Jackson.
Ja, 1988 waren wir gemeinsam auf Tour, ich war sein Supporting-Act. Gerade hatte ich einen Nummer 1 Hit in den Staaten, auch Michael Jacksons „Bad“ dominierte die Charts. Etwa 30 Shows konnte ich mit ihm bestreiten, eine intensive und erfolgreiche Zeit. Aber auch ein riesiger Zirkus, mit dem wir unterwegs waren. Rückklickend betrachtet war ich auch ein wenig in Michael Jackson verknallt (lächelt) – jeder war damals in ihn verknallt.
Und viele Michael Jackson-Fans waren verknallt in dich, jedenfalls beim Konzert in Basel…
Basel war grossartig, ich erinner mich ganz genau! Das Publikum war erstaunlich. Einige der Leute aus dem Stab Jacksons waren sehr arrogant, sahen mich damals eher als kleines Anhängsel der Tour, nicht als eigenständiger Akt. Für mich war das hart. Aber als ich dann in Basel auf die Bühne trat, waren diese Gefühle verflogen, das Publikum flippte völlig aus! Da fühlte ich mich wieder wertvoll, als auch respektiert.
Neben der Musik hast du eine weitere Leidenschaft: Die Gartenarbeit. Du hast entsprechende Shows moderiert. Wie kam es dazu?
Ende der 90er zog ich mich vom Musikbusiness zurück - und ich hatte auch keinen Plattenvertrag mehr, war sozusagen arbeitslos. Die Karriere lief nicht mehr und mir fehlte nach 16 Jahren einfach die Energie. Ausserdem war da mein Ehemann, zudem war ich schwanger, also wollte ich einen schönen Garten anlegen. Ich besuchte einen entsprechenden Kurs und eins führte zum anderen. Die Leidenschaft zur Musik konnte ich auch im Garten ausleben. Das ist auch heute noch der Fall, mich findet man zuhause immer im Garten.
Du hast viele schwule Fans, welche dir auch in erfolglosen Zeiten treu waren. Fühlst du dich manchmal als „Gay-Ikone“?
Mir wurde das schon öfter gesagt, aber ich denke nicht wirklich darüber nach. Es ist aber eine tolle Sache – und nur schon eine Ikone zu sein ist doch genial (lacht)!
Um zurück auf dein neues Album „Come out and play“ zu kommen – du singst darauf mit einer anderen Ikone der 80er: Nik Kershaw!
.. und mit Glenn Gregory von Heaven 17! Wunderbar, nicht? Diese beiden Künstler stammen aus der gleichen Epoche und ich bewundere sie sehr. In den letzten Jahren liefen wir uns immer wieder bei diesen 80er Shows über den Weg. Es ist toll, diese beiden einzigartigen Stimmen auf dem Album zu hören.
Vermisst du die guten, alten 80er?
Nein, so war ich nie. Mit meinem neuen Album wollte ich frisch sein, den ganzen Retro-Sound von damals gibt es ja bereits. Natürlich hatten die 80er einen grossen Einfluss auf meine Karriere, ich liebe diesen Sound noch immer, aber ich werde nie eine Person sein, die den 80ern nachtrauert. Geniale neue Musik wird da draussen gespielt, man muss nur hinhören.
Wirst du wieder auf Tour gehen?
Ja, im Februar 2011 starte ich die „Come Out And Play“- Live Tour. Ich habe eine grossartige Band mit dabei, wir werden die Bühne rocken! Ich avanciere derzeit von der einstigen Pop-Prinzessin zu einem richtigem “Rock Chick“! Heute konzentriert sich die Musik sowieso immer mehr auf Konzerte. Anders als in den 80ern. Das war das Zeitalter der Video-Clips, nun hat sich das alles verändert. Die Leute wollen wieder die Künstler sehen, sie fühlen. Ich finde das fantastisch.
Siehst du Parallelen zwischen dir und den heutigen Pop-Prinzessinnen wie Lady Gaga?
Ich werde bald 50 und bin nun seit 30 Jahren im Geschäft. Automatisch werde ich schon wegen meiner Vergangenheit mit ihnen verglichen. Mir selbst ist das egal, ich tu mein Ding. Und ich war nie eine Stil-Ikone wie etwa Madonna oder Kylie - das sieht doch sehr nach viel Arbeit an, nicht?
Und du scheinst noch immer sehr bodenständig. Was ist dein Geheimnis?
Ich kann verstehen, weshalb einige Leute durch den Erfolg abheben, sie schützen sich auf diese Art und Weise. Sie setzen Grenzen, so wie etwa Michael Jackson. Ich selbst musste das gottseidank nie. Aber natürlich gibt es auch einfach nur arrogante Personen – und ich habe speziell als Gartenarchitektin viele von diesen Personen getroffen (lacht)!
Kim Wilde, besten Dank für das Gespräch!
www.kimwilde.com
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