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Branko B. Gabriel trifft Ivano Bagnolo PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Branko B. Gabriel on Montag, 12. Juli 2010 um 12:33   

 

altNatürlich war auch ich an der diesjährigen Art Basel. Wie jedes Jahr heisst es an der Preview für die geladenen Gäste, sehen und gesehen werden. Natürlich hat es auch Kunst, sehr viel Kunst und grosse, sehr grosse, ja sogar grossartige Kunst! Da frage ich mich doch, wie steht es um die Schweizer Kunst, oder besser gesagt, um die Künstler. Ich habe doch letzthin eine Einladung des Schweizer Malers Ivano Bagnolo erhalten.

 

CR:Salut Ivano, dich habe ich aber nicht an der Art Basel gesehen? Die «Liste» wäre doch eine passende Plattform für dich?

Ivano: Das berührt mich, danke vielmal. Das stimmt, die Plattform der «Liste» (the young art fair in Basel) ist sehr geeignet. Doch das kommt noch.

CR: Die Art Basel ist das grösste Kunsthappening, hier geht es um richtig viel Kohle. Kannst du von deiner Kunst leben?

Ivano: Nein, es ist heutzutage schwieriger, sich auf dem Markt zu behaupten als früher. Begegnungen sind flüchtiger, die Entwicklungen schneller und der Markt ist überschwemmt. Sich da einen Platz zu erobern, ist nicht einfach.

CR: Was bedeutet für dich, Künstler zu sein.

Ivano: Kunst bedeutet für mich «Leben». Künstler sein, heisst für mich, sich am Leben beteiligen, sich entwickeln, kreieren. Den Menschen helfen voranzuschreiten, aufzurütteln, Änderungen provozieren. Eigentlich das Privileg haben, das machen zu können, was man gerne macht.

CR: Deine Bilder haben aktuell einen sehr erotischen Touch. Viele bunte muskulöse Männer. Eine verborgene Fantasie von dir?

Ivano: Ich liebe schöne Menschen, und unter denen, schöne Männer. Die Muskeln spielen eine Rolle, klar doch! (schmunzelt)

CR:Du lebst mit deinem Partner im Wallis, ist das nicht fatal für einen Künstler, so weit «ab vom Schuss» zu wirken? In der Schweiz ist die Kunstszene ja in den grossen Städten zu Hause.

Ivano: Nein, da geht es um vielmehr, als nur in den Städten zu sein. Ich glaub nicht, dass ein Wohnort ein Prozess hindern oder fördern kann. Es geht um den Künstler und die Begegnungen, die er in seiner Laufbahn macht und was er daraus zieht. Ich kenne viele Künstler, die das Land vorziehen. In der heutigen Zeit ist der Mensch weit mehr in Bewegung als früher und alles entwickelt sich schneller. Das Gefühl zu haben, dass nur gewisse Orte auf dieser Welt zu etwas führen, damit bin ich nicht einverstanden.

CR: Du brauchst also deinen Freigeist, um wirken zu können...

Ivano: Ja, kann man so sagen. Es geht mir um meine persönliche Entwicklung.

CR: Du hast doch schon einige Ausstellungen hinter dir. Aktuell das Kunstprojekt in St. Gallen (Privera AG, Tatort Kunst) und demnächst in Männedorf.

Ivano: Die Teilnahme als Künstler zur ARTgay Zürich bei der AktivArte Galerie & Lounge GmbH in Männerdorf, welche am 12. August um 19.00 Uhr die Vernissage einer Kollektiv-Ausstellung feiert, ist für mich unausweichlich. Die Kunstszene braucht eine Auffrischung und den Zulass von gleichgesinnt liebenden Menschen, damit will ich den Galeristen Maximilian Burri und Markus Lumpert meinen tiefen Dank aussprechen. Die Dauer dieser Ausstellung ist vom 12.8 – 29.8.2010 geplant.

CR: Mit welchen Künstler fühlst du dich verbunden, oder besser gesagt, mit welchem Künstler würdest du gerne mal über Kunst & Co. philosophieren?

Ivano: Mit Pablo Picasso, Juan Miro, Alexander Calder und Willi Baumeister fühle ich mich verbunden. Ihre Werke übermitteln eine bestimmte Energie, die ich aufnehme und für meine Kunst gebrauche. Mit dem bedeutendsten Schweizer Künstler Hans Erni würde ich gerne über Kunst & Co. philosophieren. Ich glaube, dieser Mann hat einiges zu erzählen, und sein Lebenswerk lehrt uns ganz einfach, in einer menschlichen Welt menschlich zu bleiben.

 

Ivano Bagnolo

Ivano Bagnolo, 1969, malt und lebt im Wallis. Seit 2002 ist er im Künstlerkomite von Monthey
tätig. Bereits in jungen Jahren beschäftigte er sich mit Kunst. Nach einem Studiengang an der Kunstschule Zürich schuf er seine künstlerische Sprache und stützte sich auf namhafte Künstler wie: Pablo Picasso, Juan Miro und Alexander Calder. Er unterhält eine Verbindung mit der Welt des Tanzes und des Gesangs, die ihn dazu verleiten, eine andere künstlerische Technik zu entwickeln. Vom «Mensch sein» begeistert, kehrt er in den klassischen Gemäldestil zurück.

Seit 2006 ist seine Entwicklung durch aufeinanderfolgende menschliche Figuren abgesteckt.
Die Inbrunst für den Expressionismus führt ihn zu seinen Schöpfungen. Die Formen, die Farben und das Abstrakte geben ihm die expressive Freiheit.

www.ivanobagnolo.ch, Die Ausstellung findet in der AktivArte Galerie & Lounge statt, vom 12.8 - 29.8.2010


 

 
Branko B. Gabriel trifft Zoé Torinesi PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Branko B. Gabriel on Montag, 14. Juni 2010 um 09:26   

 

altUnd schon wieder ein so langweiliger und öder Cervelat-Event. Warum habe ich mich nur wieder hinreissen lassen, es ist doch immer wieder das Gleiche. Früher gab es ja noch ein tolles Give-away und Champagner. Heute nur noch Prosecco und Salzstangen. Ist da nicht mein «Spätzchen», Zoe Torinesi? Sie soll ja angeblich an der diesjährigen Pride moderieren. Zoe ist wirklich eine Goldperle, eine sympathische Moderatorin mit Ecken und Kanten, die trotz ihres Celebrity-Status immer auf dem Boden geblieben ist.

CR: Hey Zoe, das ist ja eine schöne Überraschung! Du moderierst mit Alf Heller und Luca Papini die diesjährige Pride. Wie kommt das?

Zoe Torinesi: Ja, ich freue mich sehr! Die Organisatoren der Pride haben mich bei unserer «Freakish»-Sendung auf Tele Züri gesehen und mich angefragt, ob ich einen Part moderieren würde...

CR: Ist hier der Zickenterror nicht schon vorprogrammiert?

Zoe Torinesi: Zickenterror? Klar, die nehme ich alle auseinander Nein, überhaupt nicht. Ich bin nicht so ein Zicken-Mensch und möchte einfach nur eine gute Zeit haben. Luca kenne ich schon länger, ich habe ihn auch schon für «Freakish» interviewt und finde ihn sehr symphatisch. Alf habe ich kurz kennen gelernt und bin sicher, dass wir gut harmonieren werden...

CR: Was wirst du genau moderieren, auf welcher Bühne bist du zu sehen?

Zoe Torinesi: Ich werde Freitag und Samstag auf der Hauptbühne zu sehen sein und moderiere da zusammen mit Alf Heller die Künstler an...Ich freue mich, mit ihm zu arbeiten, das wird bestimmt total lustig...

CR: Du wirst sicher nicht nur das männliche Publikum bezaubern und um den Finger wickeln, auch das weibliche. Keine Berührungsängste?

Zoe Torinesi: Ach nein, überhaupt nicht. Als Frau ist man es sich ja gewöhnt, ab und an angesprochen zu werden. Von einer Frau bin ich noch nie «angemacht» worden, wenn ich an der Pride mal ein Kompliment bekommen sollte oder so, würde ich es als Kompliment auffassen.

CR: Auf wen freust Du Dich besonders?

Zoe Torinesi: Auf Yello. Ich finde das letzte Album, das sie gemacht haben, mega! Auch auf Jill Wick freue ich mich, die im Duo «Glamotronik» auftreten wird. Schon bei Popstars fand ich sie beeindruckend und ich bin gespannt, was sie diesmal bieten wird. Sie hat eine tolle Ausstrahlung, ist eine nette Person und es überrascht, dass in einer zierlichen Person so eine Power-Stimme steckt.

CR: Und was sind die sonstigen Highlights an der Zurich Pride?

Zoe Torinesi: Die Kulturbühne finde ich eine absolut geniale Idee. Da kann sich jeder anmelden und seine Performance, unterstützt von Musik und Licht, vor Publikum abhalten, ich glaube, das wird richtig lustig.

Natürlich freue ich mich auch zu sehen, wer international Mr. Gay wird... Bei den Gays wird es bestimmt noch einige hübschere Früchtchen als an den Mr. Schweiz-Wahlen dabei haben, die gefallen mir meistens nämlich nicht so...

CR: Du moderierst diverse Sendungen, führst gekonnt als Host durch Events, was sind deine nächsten Highlights?

Zoe Torinesi: Ein grosses Highlight liegt mit der Artist Charity Night gerade hinter mir. Das war der bisher grösste Event, den ich moderiert habe, übrigens mit der wunderbaren Jazzmin Moore, Mann war ich nervös. Eine Woche nach der Gaypride präsentiere ich dann einen grossen Glamourevent für einen italienischen Getränkehersteller, auf den ich mich sehr freue und im Juli moderiere ich ebenfalls Künstler am Zürifäscht an. Am Sonntag, gleich nach der Pride, stehe ich wieder für die Kochsendung «Öisi Chuchi» vor der Kamera, die auf 3+ ausgestrahlt wird, das sind immer anstrengende, aber schöne Tage. Im Juli fliegen wir dann mit «Freakish» auf Ibiza und lassen es neben der Arbeit (wir nehmen da zwei Sendungen auf) so richtig krachen!


Zoe Torinesi kommt ursprünglich aus Italien, aufgewachsen ist sie in Solothurn. Bekannt wurde sie erstmals bei den Miss-Schweiz-Wahlen 2005. Zoe konnte sich unter die Top 6 platzieren. Es folgten Moderationsjobs bei StarTV, Tele Züri und 3+ u.a. Das professionelle Model arbeitet seit 2009 als taffe Moderatorin bei den Sendungen «Freakish» und «Öisi Chuchi». Zudem führt sie auch regelmässig durch verschiedene Events.

Mehr Infos unter: www.zoetorinesi.com

 

 

 
 
Branko B. Gabriel trifft...Ivan Stefani PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Branko B. Gabriel on Sonntag, 04. April 2010 um 11:49   

 

altAn der diesjährigen Baselworld, der weltgrössten Uhren und Schmuckmesse bin ich der Einladung von Chopard gefolgt, da diese Luxusmanufaktur ihr 150-jähriges Bestehen feierte. Motto des Abends: Gross, Grösser, Grössenwahn!

Meine Begleitung an diesem Abend war niemand geringerer als der bekannte Interieurdesigner Ivan Stefani.

 

CR: Lieber Ivan, ich schaue mir all diese schönen Pavillons an. Alles ist aus sehr exquisiten Materialien hergestellt worden. Hier glänzen nicht nur die reich verzierten Uhren und Schmuckstücke. Was macht einen gut dekorierter Raum aus?

IS: An erster Stelle sollte man sich auf Anhieb wohlfühlen. Egal, ob das ein moderner oder eher ein vergangener Stil ist. Dabei spielt das Lichtkonzept eine wichtige Rolle. Jüngst, wie ich finde, schenken die Interieur-Designer diesem Aspekt zu wenig Beachtung. Die Liebe steckt im Detail. Und meistens kann auch weniger mehr sein.

CR: Deiner Meinung nach ist oftmals weniger mehr. Sehr schön. Du setzt ganze Wohnkonzepte um, restaurierst Möbel und dekorierst und jüngst zeigen einige trendige Shops in Zürich deine Handschrift.

IS: Mein letztes öffentliches Projekt war das  
Logo-Design und die Plättli / Fliesen-Bemalung im Schuhgeschäft Monsieur Dubois, das, wie ich finde, ein kleines Bijou geworden ist.

CR: Was ist für dich gutes Design. Wie lautet dein Credo?

IS: Gutes Design muss in sich als Gesamtkonzept stimmen. Was, wie ich finde, frühere Epochen sehr gut bewiesen haben. Alte bewärte Handwerkskunst ist immer noch ein Garant für ein schönes Interieur.

 

CR: Ich liebe ja die Art Déco Epoche, wo kriegt man Budget Stücke her und wie kann ich sie selber aufmöbeln?

IS: Die besten Stücke findet man wohl an Auktionen. In Brockenhäusern muss man heutezutage Glück haben. Und ich sage nur, mit einer guten Möbelpolitur ist die halbe Arbeit getan! (lacht) Oder am besten bringst du die schönen Stücke zu mir, ich werde sie dann professionell aufwerten, ohne sie übermässig zu restaurieren.

CR: Der Frühling steht vor der Tür, gerne würde ich meine Terrasse dekorieren. Auf was muss ich achten?

IS: Eine Terrasse kann nicht genug Grünzeug haben. Pflanzen, Blumen und alles, was das Auge begehrt. Und Tisch und Stuhl aus dem Brockenhaus oder von deinem Grosi. Bitte keine billige oder moderne Massenprodukte kaufen.

CR: Du beweist nicht nur in Sachen Dekoration ein gutes Händchen, auch als DJ AuraTrauma verstehst du es, nicht alltägliche Musik an den Mann zu bringen.

IS: Das Tanzen ist eine Ausdrucksform der Seele, und es freut mich immer wieder zu sehen, wenn Vibes und gute Laune rüberkommen.

CR: Deine nächsten Projekte? Und wo bist du mit deiner Musik anzutreffen?

IS: Demnächst fliege ich nach Boston für mein neues Projekt. Dort werde einen Coffeeshop designen und einrichten. Darauf freue ich mich schon lange, denn ich kann meinen Ideen freien Lauf lassen! Mein nächster Anlass als AuraTrauma ist am 31.März in der Helden Bar. Das wird bunt und lustig! Auch werde ich es mir dort nicht nehmen lassen, ein wenig nach meinem Geschmack zu dekorieren! Musik auflegen ist so ein kleines Hobby von mir. Denn, wie ich finde, läuft ohne Musik gar nichts auf dieser Welt. Das Partyleben in Zürich sollte wieder bunter werden. Da will ich doch meinen Beitrag dazu leisten.

www.ivanstefani.ch 
www.myspace.com/djauratrauma


Ivan Stefani wurd am 20.05.1971 in Zürich geboren. Bereits in jungen Jahren packte ihn die Liebe zu Antiquitäten und zur Malerei. Inspiriert vom nordischen Interieur, aber auch von der Antike bis hin zur Moderne und Art Deco, konnte Ivan Stefani sein Können demonstrieren mit Arbeiten für Privatpersonen, Geschäftsliegenschaften sowie ein namhaftes Auktionshaus. Zu den Spezialitäten in seinem Repertoire gehören Chinalackmalereien sowie Vergolden nach dem Vorbild alter Meister, aber auch mit neuartigen, innovativen Techniken. Auch das Restaurieren von Antiquitäten beherrscht Ivan Stefani. Hierbei bleibt er stets seinem Credo treu, die Möbel nicht zu sehr zu restaurieren, sondern den Charakter und das natürliche Bild des Möbels beizubehalten.

 

 

 
Alice Schwarzer vs. Bushido PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: DD on Mittwoch, 03. März 2010 um 14:35   

 

alt

Ihre jüngsten Worte sind an Bushido

Die Ikone der deutschen Frauenbewegung spricht einmal mehr Klartext.

Im Prinzip spricht sie nicht, sondern schreibt. Ihre jüngsten Worte sind an Bushido gerichtet, welchen man getrost als homophoben wie horizontarmen Skandalrapper bezeichnen darf, der im aktuellen Kinofilm «Zeiten ändern sich» eine schwere Rolle spielt: sich selbst. Alice Schwarzers Reaktion ist eine Antwort auf Bushidos Attacke gegen die Feministin. In einer Talkshow sinnierte der Rapper über ein fiktives Streitgespräch beider.

 
Branko B. Gabriel trifft...Raphael Gygax PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Branko B. Gabriel on Sonntag, 28. Februar 2010 um 10:41   

 

altNeulich an einer Vernissage in der Kunsthalle Zürich. Man versprach mir zwei coole, spannende Ausstellungen von Elad Lassry und Christodoulos Panayiotou, beide schwul. Nun, da ich mich schon länger in der Kunstszene rar gemacht hatte, gönnte ich mir einen netten Abend mit meinen Kunst-freunden.

 

Warum sind eigentlich alle Kunstbegeisterten oder die, die es sein wollen, dermassen grässlich angezogen. Ich finde das hat weder was mit Kunst oder gar mit gutem Geschmack zu tun. Aber eben, es ist wie mit der Kunst. Geschmacks-sache.

Die kleinformatigen Fotografien des israelischen Künstlers Elad Lassry (*1977) waren schön, schön bunt, und das war’s dann auch schon. Mein Blick schweifte ab zur Bar und, siehe da, das Highlight des Abends: Raphael Gygax. Er ist einer der jungen Wilden in der Zürcher Kunstszene, mit seinen 29 Jahren hat der Kurator bereits Ausstellungen mit Theater-Enfant-terrible Christoph Schlingensief oder dem amerikanischen Shooting Star Cory Arcangel gemacht. Am renommierten Migros Museum für Gegenwartskunst, wo er tätig ist, kuratiert er demnächst die Gruppenausstellung While Bodies get Mirrored. Das passt doch.

 

Mein lieber Raphael, jedesmal wenn ich an einer Vernissage eingeladen bin, fällt mir auf, dass die Leute offenbar mehr in Kunst investieren als in die Garderobe. Gibt es da einen Bad-Taste-Kodex?

Raphael Gygax: Mein lieber Herr Gabriel, da sind wir wohl mal wieder ohne Brille aus dem Haus gegangen. Ich sehe zum Beispiel da drüben eine Frau, die in Rick Owens gehüllt ist und Laboutins trägt oder da drüben die jungen Hipsters im recession chic. Also von Bad-Taste würde ich da nicht sprechen, exzentrischer als ein Apéro des UBS-Kaders, ja zum Glück. Sind wir doch froh, dass in der Kunst dieser uniformierte, 08/15-Look eher die Ausnahme ist. (Ein junger Mann mit blauen Jeans und weissem T-Shirt geht vorbei. Die Kunstmeute übergiesst ihn mit Benzin und zündet ihn an.) Wie sagt man gerne; andere Länder, andere Sitten.

Zurück zur Ausstellung in der Kunsthalle Zürich. Die Videoinstallation Guysgocrazy (2007) des zypriotischen Künstlers Christodoulos Panayiotou (*1978) zeigt auf zwei Monitoren das Vor- und Nachher des Spielorts eines Pornodrehs. Warum lässt er gerade das Interessante, die Action aus?

Raphael Gygax: Ist doch einfach zu verstehen – manchmal ist das Vor- und Nachher interessanter als das Zwischendrin. Jeder hat schon mal einen Pornofilm gesehen. Die Arbeit zeigt eben gerade diesen Moment der Absenz. Auf dem einen Monitor sieht man diese Unschuld, die Ruhe vor dem Sturm. Auf dem anderen Müll, leere Flaschen, gebrauchte Kondome und so weiter. Das sagt doch viel mehr aus, als wenn ich Ken und Joe beim Verkehr beobachte. Diese Szenen, die Geschichte dazwischen, müssen wir als Betrachter konstruieren. Das ist doch sehr interessant und anregend.

Wer sagt eigentlich, was gut und – pardon, wenn ich das sage – «Scheisse» ist?

Raphael Gygax: Das ist eine Gruppe von Experten verschiedener Felder – Galeristen, Kuratoren und Kritiker, aber auch Künstler. Die Kriterien können dabei auch sehr unterschiedlich sein. Die Kunstwelt ist eine internationale, globale. Da gibt’s sehr viele Meinungen. Die Frage ist daher nicht generell zu beantworten – so wie: «Was ist Kunst?» –, sondern nur in einem exemplarischen Fall. (Herr Gygax nickt weg.)

 

À propos Weltwirtschaftskrise. Diese ist noch nicht recht ausgestanden. Auch der Kunstmarkt wurde hart getroffen. Ist Kunst immer noch eine sichere Wertanlage?

Raphael Gygax: Kunst war noch nie eine sichere Wertanlage. Aber das ist natürlich nur die Hälfte der Wahrheit; Kunst kann sehr wohl zur Wertanlage werden. Sobald etwas ausverkauft ist und jemand anderes es haben will, führt das zu einer Preissteigerung. Was ist aber Wert überhaupt – wenn mich ein Bild nicht mehr loslässt, dann kann es wertvoll werden, gar existenziell. Ergo, es gibt einen Symbol- und einen Marktwert. Die Weltwirtschaftskrise hat natürlich auch ihre Spuren im Kunstmarkt hinterlassen. Es war ja auch immer die Rede von einer Vertrauenskrise; dieser Verlust zeigt sich vor allem im Feld der Zeitgenössischen. Psychologische Effekte, die sich in jedem Markt manifestieren.

 

Mit 29 Jahren bist du schon fast im Kunstolymp angelangt. Was fasziniert dich daran und vor allem, wie behauptest du dich in diesem knallharten Umfeld?

Raphael Gygax: Ich weiss nicht, was der Kunstolymp sein sollte. Ich glaube nicht an solche Dinge. Ich hatte das Glück, dass ich schon sehr früh wusste, wo mein Herz entflammt, wo ich glaube, was zu können. Die bildende Kunst ist deshalb so faszinierend, weil sie etwas «Omnivorisches» hat. Sie frisst alles auf, saugt alles auf. Man ist einem stetigen Lernprozess unterworfen.

 

Demnächst eröffnest du die Ausstellung «While Bodies get Mirrored – An Exhibition about Movement, Formalism and Space». Auf was dürfen wir uns besonders freuen? Um was geht es in der Ausstellung?

Raphael Gygax: Die Ausstellung, die ich gemeinsam mit Heike Munder kuratiere, und die am 5. März eröffnet wird, widmet sich den Themen Bewegung, Formalismus und Raum. Die Ausstellung geht von der Beobachtung aus, dass sich heute viele bildende Künstler mit postmodernem Tanz beschäftigen und diesen bzw. die Bewegung in ihre Arbeit aufnehmen. William Forsythe, der weltbekannte Choreograph, wird eine komplexe Installation aus über siebzig Stellspiegeln zeigen. Nur ein Highlight der Ausstellung.

 

Welcher Künstler ist im Moment total angesagt?

Raphael Gygax: Ich habe immer eine ganze Reihe von Künstlern, die ich verfolge, zum Teil ausgestellt habe oder noch ausstellen werde. Wahrscheinlich sind die auch irgendwie angesagt. Aber solche oberflächlichen Fragen langweilen mich eher... und warum sollte ich meine Asse ausspielen...

Welcher Kunst-Event darf man dieses Jahr auf keinen Fall verpassen?

Raphael Gygax: Wer in der Schweiz lebt, sollte natürlich an die Art Basel gehen – da werde ich einen Talk mit der britischen Künstlerin Spartacus Chetwynd und dem Filmstar Cousin Itt leiten. Wer im Frühling nach New York geht, sollte die Whitney-Biennale und die Retrospektive der Performance-Künstlerin Marina Abramovic nicht verpassen. Und nicht zu vergessen, die Gruppenausstellung Kratos, die ich für die Team Gallery,
New York, kuratiere. Die könnte ganz gut werden.

Infos zur Austellung:
www.kunsthalle.ch, www.migrosmuseum.ch

 

Raphael Gygax

Raphael Gygax studierte Kunstgeschichte, Film- und Theaterwissenschaft

an den Universitäten Bern und Zürich. Momentan schreibt er an seiner Dis-

sertation, die den Statisten in der zeitgenössischen Kunst untersucht, und

bereitet einige Ausstellungsprojekte vor. Seit 2003 arbeitet er am Migros

Museum für Gegenwartskunst, wo er zahlreiche Ausstellungen kuratiert hat.

Er schreibt regelmässig für Kunstzeitschriften wie Flash Art International.

 
 
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