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In Zürich wird der «Christopher Street Day» ab 2010
unter neuem Namen zelebriert
Unter dem Motto «Do ask, Do tell» wird vom 3. bis 6. Juni das «Zurich Pride Festival» stattfinden. Die Mischung aus CSD und EuroPride verspricht das Beste von beiden Events.
Das ZHPF (Zurich Pride Festival) ist eine Verschmelzung aus CSD, der dieses Jahr sein 16-jähriges Bestehen gefeiert hätte und der EuroPride, die letzten Frühling in Zürich gastierte. Warum man den CSD begraben will und die EuroPride noch künstlich beleben muss, diese Frage stellte CR Nathalie Schaltegger, Präsidentin des Vereins. «Es hat nichts mit Begraben oder künstlich Verlängern zu tun. Wir wollten einfach die besten Elemente beider Events vereinen und etwas Neues kreieren», sagt die ehemalige Cranberry-Barfrau. Ausserdem sei es dem Organisationskomitee wichtig gewesen, international aufzutreten. «Christopher Street Day» werde fast nur noch im deutschsprachigen Raum verwendet. Der Begriff «Festival» sei angefügt worden, weil man zeigen wolle, dass es sich um einen mehrtägigen Event handelt, wie bei der EuroPride eben, fügt sie an.
Das Motto
«Do ask, do tell», so lautet das Motto des ersten ZHPF. Ein klarer Seitenhieb auf die Politik der US-Armee («Don’t ask, don’t tell»), welche Homosexuelle zwar duldet, ihnen das Outing jedoch verwehrt und Sanktionen vollzieht, falls es doch jemand wagt. Schaltegger fügt an: «Wir wollen zur Kommunikation auffordern. Das Motto steht für einen offenen Umgang sowie die Integrierung von Minderheiten und für das Abbauen von Vorurteilen und Ängsten».
Mehr Politik und Kultur
Ein Vorwurf, der sich nicht nur ausserhalb der Community breit macht, sondern auch viele Schwule und Lesben selber adressieren, ist der, dass Pridefeste nur ein Vorwand seien, eine rauschende Party nach der anderen zu feiern. Dem widerspricht die neue Präsidentin jedoch vehement: «Wir haben an der Generalversammlung entschieden, dass wir mehr Politik und Kultur in das ZHPF einfliessen lassen wollen. Beispielsweise gibt es eine Filmnacht, als Partyalternative, eine Kulturbühne und zwei sehr interessante Fachtagungen – ein vielfältiges Programm.»
Die Fachtagungen finden am 3. und 4. Juni statt und behandeln die Themen «Diversity Management», also den Schutz vor Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung in der Arbeitswelt und «Fünf Jahre Partnerschaftsgesetz», ein Resümee über die Entwicklung eingetragener Partnerschaften. Aber auch abseits der offiziellen Tagungen kommt man zu intellektueller Stimulation. Michi Rüegg, unser geliebter Kolumnist, wird am Freitag um 19.30 im Auditorium des Technoparks mit der deutschen Autorin Ute Scheub über ihr neues Werk «Heldendämmerung» reden. Darin geht es um den gesellschaftlichen Machtverlust der Heteromänner und wie der daraus resultierende Frust Frauen und Schwule gleichermassen treffen kann.
Umzug um das Seebecken
Politik und Wirtschaft werden somit auch am Umzug eine wichtige Rolle spielen. Die Parade (Sa., 5. Juni, ab 13.00, von Hafen Enge bis Bellerivestrasse) wird nicht mehr auf der alten CSD-Strecke (Bahnhofstrasse Richtung Turbinenplatz) durchgeführt, sondern um das Zürcher Seebecken. Die Redner, die das Komitee für den Anlass gewinnen konnte, sind hochinteressante Persönlichkeiten. Der Vorsteher des Justizdepartements des Kantons Zürich, Markus Notter, sowie der frisch gewählte Stadtrat André Odermatt werden die politischen Aspekte der Demonstration unterstreichen. Eine weitere Rednerin ist Eva Kaderli. Die Präsidentin des Vereins «Familienchance», welcher Unterschriften für die Abschaffung des Adoptionsverbotes für gleichgeschlechtliche Paare sammelt. Über wirtschaftliche Themen wird Karin Müller, Produktionsleiterin von «Radio 24», referieren.
Die Parties
In diesen vier Tagen werden gut ein Dutzend Parties unter dem Label «ZHPF» stattfinden. Die Eröffnungsparty in der Laborbar und die Abschlussparty im T&M kosten nur fünf Franken Eintritt. Es handle sich dabei um einen symbolischen Betrag, der zeigen soll, dass man die Sache unterstützt, so Schaltegger. Um den Partygängern möglichst viel zu bieten, lancieren die Organisatoren einen Partypass. Dieser Pass ist in verschiedenen Varianten erhältlich. Vom Tagespass für 49 Franken, der einem zum Eintritt an sämtlichen Festen am selben Abend berechtigt, bis hin zum VIP-Ticket für 199 Franken, welches einem das Schlangestehen erspart, die Türen zu Aftershow Parties öffnet und noch viele weitere Goodies für die ganzen vier Tage bereithält. Die Tickets können im voraus auf der Homepage das ZHPF bestellt werden.
Gratiskonzert auf dem Turbinenplatz
An den vielen Konzerten und Parties geben sich illustre Künstler aus dem In- und Ausland die Ehre. So werden am Freitag Dieter Meier und Boris Blank, die gemeinsam «Yello», das erfolgreichste Elektro-Duo der Schweiz, bilden, ein virtuelles Gratis-Konzert am Turbinenplatz geben. «Auf solch prominente Unterstützung zu stossen, freut uns natürlich enorm», sagt Schaltegger schmunzelnd. Unmittelbar vorher wird die Schweizer Songwriterin Heidi Happy das Publikum vor der Hauptbühne verzaubern. «Ich kenne viel zu viele, die viel zu lange warten mussten, bis sie sich zu outen wagten. Es sollte kein Thema sein müssen, aber es muss», sagt die Luzernerin über die Anliegen des «ZHPF». Das Zürcher Duo «Glitzerhaus», welches die Hymne zum Festival beisteuert, wird am Samstag auf der Hauptbühne mit einer extravaganten Mischung aus Show-Inszenierung mit Drag Queens, Live Vocals, MC-Einlagen und Livemusik zu sehen sein.
Prominente Namen
An den DJ-Pulten sind prominente Namen ebenfalls wie Sand am Meer vorhanden. Der ehemalige italienische Pornodarsteller Phil Romano wird am 5. Juni die Hauptbühne beehren. Dass er sein Motto: «Lebt laut» in die Tat umsetzt, braucht niemand zu bezweifeln. Auch Schweizer DJ-Grössen sind vertreten. Mr. Da-Nos tritt am Freitag ab 22.00 Uhr auf dem Turbinenplatz auf. «Das Pride-Festival ist ein nicht alltäglicher, fantastischer Anlass. Da ich viele Fans in der Szene habe, sagte ich sofort zu, als man mich fragte», sagt der Zürcher DJ.
Neben Alf Heller, der bereits an der EuroPride sein Moderationstalent unter Beweis gestellt hat, wird auch eine internationale Schwulenikone an die Limmat kommen. «Pam Ann», die australische Comedy-Stewardess. Carolin Reid, wie Pam Ann mit bürgerlichem Namen heisst, wird mit ihren ebenso charmanten wie bitterbösen Moderationen durch den Event führen. Des Weiteren werden Luca Papini und Zoe Torinesi durch die verschiedenen Events führen.
Mister Gay International
Auch die Schönheit kommt nicht zu kurz. Da Ricco Müller den letztjährigen «Mister Gay International»-Titel in die Schweiz geholt hat, wird der Kampf um das diesjährige Krönchen hier ausgetragen. «Wir haben mit Oliver Eschler, dem Organisator, Kontakt aufgenommen, und da die Wahlen sowieso in der Schweiz stattfinden mussten, haben wir die beiden Events gleich zusammengebracht», so Schaltegger. Auf die Frage, warum am ZHPF keine Miss Gay Wahl ausgetragen werde, wusste sie jedoch auch keine eindeutige Antwort. «Wahrscheinlich ist es so, dass die Nachfrage bei den Frauen nach einer Repräsentantin nicht so gross ist wie bei den Männern.»
Man kann unschwer erkennen, dass der Verein «Zurich Pride Festival» weder Kosten noch Mühen gescheut hat, um das erste Juniwochenende zu einem unvergesslichen Ereignis zu machen.
Ein Besuch des neuen Ereignisses «Zurich Pride Festival» lohnt sich, denn es hat für jeden Geschmack etwas dabei. Das detaillierte Programm findet man auf der Homepage «www.zurichpridefestival.ch» oder in den Programmheften, die in diversen Szenelokalen erhältlich sind.
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