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Soaps and the City PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Martin Ender on Montag, 08. Februar 2010 um 16:38   

 

Schwule in Serie(n). Wie sind sie dahin gekommen?

Und warum gehen ihre Fans nach New York?

Gays in Fernsehserien sind selbstverständlich geworden. Aber wann eigentlich? Eine Geschichte des verspäteten Sichtbarwerdens, die ihr vorläufiges Happy End in New York findet. An einem grossen Charity-Event treffen Fans ihre TV-Helden von nebenan.

Thomas ist Jus-Student. Er jobbt als Asylanten-Berater, er hat einen Freund, der in New York modelt und kokst. Thomas ist der nette Schwule von nebenan, nur wohnt er eben nicht nebenan, sondern war Teil der inzwischen eingestellten Schweizer Soap «Lüthi und Blanc». Kaum eine TV-Serie verzichtet heute auf gleichgeschlechtliche Romanzen. Von Oberarzt Dr. Eberhardt Scheu im Alphateam über die schwulen Nachbarn der «Desperate Housewives» oder den Bruder von

Golden Girl Blanche bis zur lesbischen Polizistin in GZSZ und zum bisexuellen Boxer in «Verbotene Liebe»: Zur besten Sendezeit flimmern sie täglich in die gute Stube. Ein bemerkenswerter Wandel, denn bis Mitte der 1990er wurde das Thema im TV grösstenteils totgeschwiegen. Dann kamen die Talkshows, trampelten sämtliche Tabuzonen platt und ebneten so auch den Weg des etwas grösseren Widerstands für Filme und Serien. Noch in den 1980ern genossen schwule Figuren in Soaps echten Exotenstatus. Steven aus dem Denver-Clan etwa oder Carsten Flöter in der Lindenstrasse. 1987 gab es in der ARD-Serie den ersten Männerkuss, eine kleine Sensation, und auch der zweite sorgte drei Jahre später für Aufsehen und Aufruhr. Die Boulevard-Presse machte eine grosse Story daraus, besonders im konservativen Bayern war die Empörung heftig, die Darsteller erhielten Morddrohungen.

Seife und Sex
Weit weg vom Vorabendprogramm der grossen Sender entstanden allerdings auch schon früh schwule und lesbische Soaps. «MontagsKinder» etwa, eine Trash-Serie zwischen Kopie und Parodie. Mit «Queer as Folk» und «L World» haben diese vor ein paar Jahren nun auch den Sprung vors breite Publikum geschafft. Das Schweizer Fernsehen zeigte «Queer as Folk» 2000 als Premiere im deutschsprachigen Raum und als erster öffentlich-rechtlicher Sender überhaupt, und die Zuschauer sahen ziemlich explizit, dass sich Gays nicht nur auf Mund und Hals küssen. Das Interesse war gross, die Beschwerdenbriefe waren lang. Die britische Serie wurde kurz darauf für den amerikanischen Markt neu verfilmt, war dort allerdings nur im Pay-TV zu sehen. Man will ja Publikum und Sponsoren nicht verärgern. Ihren Ursprung hat die Soap-Opera in Radiohörspielen und ihre Bezeichnung von den Waschmittelkonzernen, für die darin geworben wurde. Wenig verwunderlich also, dass auch heute noch trotz schwuler Quotenküsse alles schön sauber und werbefreundlich bleiben muss.
Jo Weil und Thore Schölermann spielen in der ARD-Serie «Verbotene Liebe» ein schwules Liebespaar. Negative Reaktionen von Zuschauern gibt es kaum noch, sagen sie. Und doch ist nicht alles so ganz einfach und selbstverständlich. Ständig taucht in Interviews die Frage auf, ob sie denn wirklich schwul seien. Eine Frage, die Weil heute zu Recht nicht mehr beantworten mag. Er sei schliesslich, wenn er einen Hetero-Liebhaber gespielt hat, auch nie gefragt worden, ob er denn wirklich auf Frauen stehe.

Big Stars im Big Apple
Zusammen mit vielen anderen Soap-Stars reisen Weil und Schölermann Ende März nach New York zum ersten «Gays of our Lives»-Event. Via Youtube hat die deutsche Serie offenbar auch in den USA eine Fangemeinde aufgebaut. Fans aus aller Welt sollen die Gelegenheit bekommen, vor der grossartigen Kulisse New Yorks ihre Lieblingsdarsteller aus schwulen Storylines live kennenzulernen. Auch Dennis Grabosch und Igor Dolgatschew aus «Alles, was zählt», Felix Isenbügel (Gute Zeiten, schlechte Zeiten), Hal Sparks (Queer as Folk) und Gregory Michael (Dante‘s Cove) werden mit dabei sein. Neben Meets and Greets stehen Parties und Workshops auf dem Programm. Der Gewinn dieses Charity-Events geht an die Aidshilfe Köln und das amerikanische Trevor Project, das schwule Jugendliche unterstützt.
Die wahren Gays of our Lives finden sich natürlich nicht in den TV-Drehbüchern. Doch wenn die Daily Soaps schwule Beziehungen für einige Zuschauer zum normalen Alltag machen können, nimmt man doch gern in Kauf, dass die Darstellung nach wie vor ziemlich klischiert daher kommt. Schliesslich geht es ja in erster Linie um Unterhaltung, da darf man auch mal über eigene Klischees schmunzeln. Sonst hätte «Sex and the City» wohl kaum so viele schwule Fans. Und seien wir ehrlich: Machos und Zicken werden in Soaps genauso eindimensional gezeigt. Ob nun verbotene Liebe an der Lindenstrasse oder gute und schlechte Zeiten auf dem Marienhof, unter uns gesagt: Nur die Liebe zählt, ganz egal, wer mit wem. Und wie’s weiter geht, zeigen wir dann morgen zur gleichen Zeit.

Gays of our Lives
New York, 26.-28. März 2010
Tickets und Infos: www.gaysofourlives.org

 

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